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Drohnen im Katastrophenmanagement

Drohnen im Katastrophenmanagement

Die Zerstörungen, die der Tsunami auf der indonesischen Insel Sulawesi anrichtete, haben wir alle in den Nachrichten gesehen. Die Bilder davon lieferten hauptsächlich Drohnen – hier ein Beispiel bei Al Jazeera.

Die Einsatzmöglichkeiten von Drohnen im Katastrophenmanagement sind vielfältig, am sichtbarsten sind aber nicht-technische Videoaufnahmen, die darauf ausgerichtet sind, Emotionen auszulösen. Die Auswirkungen einer Naturkatastrophe so umfangreich zu sehen ist für den Zuschauer noch relativ neu und ungewohnt. Genau deshalb eignen sich die Aufnahmen auch als Untermalung für Spendenaufrufe.

Drohnen sind inzwischen fester Bestandteil der Krisenkommunikation, die U.S. Chamber of Commerce spricht gar von einer „disruptiven Technologie im Katastrophenmanagement“. So spricht Lockheed Martin-Mitarbeiter Kingsley Fregene davon, dass Wissenschaftler und Ingenieure die Daten nutzen können, um Modelle zu entwerfen und Krisenteams mit akkurateren und schnelleren Informationen zu versorgen.

Michael Huerta, Mitarbeiter der US-Bundesluftfahrtbehörde FAA, bezeichnet die Nutzung von Drohnen im Anschluss an Hurricane Harvey, der im August 2017 weiträumige Schäden in den USA anrichtete, als Meilenstein in der Krisenreaktion (nachzulesen in einer Rede im September 2017 auf der InterDrone-Konferenz). Da viele Flughäfen gesperrt waren oder ausschließlich für Katastrophenhilfeflüge genutzt werden konnten und die Treibstoffversorgung gering war, waren Drohnen das ideale Mittel der Wahl.

Eingesetzt wurden Drohnen laut der Rede um Schäden an einer Eisenbahnstrecke, Wasseraufbereitungsanlagen, der Energieinfrastruktur und an Straßen und Brücken zu evaluieren. Videoaufnahmen können also neben emotionalen Bildern für die Öffentlichkeit auch Vermessung und Kartierung für technische Teams liefern.

Aber Drohnen können auch aktiv an Rettungsaktionen teilhaben, zum Beispiel durch die Wiederherstellung von Stromversorgung, Internet und Funkverbindungen. Auch Material wie Medizin oder Rettungsringe können sie transportieren. Ob dieser Einsatz auch in Krisensituationen möglich ist, ist fragwürdig. Hindernisse sind hier neben nicht planbaren Umständen besonders auch die Reichweite und geringe Last, die Drohnen derzeit transportieren können.

Wirklich gebraucht wird in Indonesien derzeit schweres Gerät wie Bagger, das aber nicht zur Verfügung steht und auch nicht durch die Trümmerhaufen kommt. Solche Probleme können Drohnen nicht lösen. Doch möglicherweise können Katastrophenhelfer in Zukunft auf Entwicklungen und Nutzungen zurückkommen, die an sich nicht für Katastrophensituationen gemacht sind:

Für den militärischen Einsatz wird derzeit eine Krankentransport-Drohne entwickelt, die bis zu zwei Verletzte fasst, wie Wired berichtet. Die Drohne ist auch bei stärkerem Wind einsetzbar, wenn Hubschrauber nicht mehr sicher fliegen. Sie erreichen derzeit eine Geschwindigkeit von 160 km/h und können knapp 32 km weit fliegen. Sanitäter können mit Verletzten während des Fluges kommunizieren.

Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) haben DHL, GIZ und Drohnenhersteller Wingcopter Arzneimittellieferungen in Afrika getestet (die Deutsche Apotheker Zeitung berichtet mit Video). Die Testflüge erfolgten zu einer 60 km vom Ufer entfernte Insel – die Versorgung ist also dort immer eingeschränkt. Auch in einer Katastrophensituation wäre eine solche Lieferung denkbar.

Weiterführende Literatur (auf Englisch):
NBC News über Drohnen im Nachgang von Hurricane Harvey (September 2017)
Swissinfo: Wie Drohnen humanitäre Hilfe verändern (Juni 2018)
Virgin über Drohnen im Katastrophenmanagement
Report: Drohnen in der humanitären Hilfe (2016)

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