ifeu-Podcast: So schnell können Oberleitungs-LKW Schwerlaster klimafreundlich machen

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Heidelberg, 18.2.21. Lastkraftwagen stoßen ein Drittel der CO₂-Emissionen aus dem Straßenverkehr und fünf Prozent der Gesamtemissionen in Deutschland aus. Ifeu-Experte Julius Jöhrens erklärt jetzt im Podcast ifeu-update, wie Oberleitungs-Lkw zum neuen Standard auf der Straße werden können.

Lkws transportieren 80 Prozent der Güter in Deutschland. Prognosen zeigen, dass der Güterverkehr weiter zunehmen wird. Um die Klimaschutzziele zu erreichen, müssen Lkw klimafreundlich und mit alternativen Antrieben betrieben werden.

Julius Jöhrens, Physiker und Leiter des Themenfelds Alternative Antriebe am Institut, hat zur Einführung eines Oberleitungs-Lkw-Systems in Deutschland geforscht und ein Beratungstool namens My eRoads mitentwickelt. Es zeigt, wie ein Elektro-Lkw im Vergleich zum vorhandenen Dieselfahrzeug in einem Fuhrpark abschneidet.

„Es ist nicht gesagt, dass Lkw bis auf alle Ewigkeit Dieselfresser bleiben müssen“, sagt Jöhrens im Podcast. Weil es nicht möglich sein werde, den kompletten Lkw-Verkehr auf absehbare Zeit von der Straße weg zu bekommen, müsse man die Lkw zu einem umweltfreundlichen Verkehrsmittel für die Zukunft machen. Dafür dürfe nicht weiter fossiler Diesel in den Fahrzeugen verbrannt werden. „Am effizientesten wäre es, Strom direkt in einem Elektromotor zu verwenden“, sagt der Physiker weiter – darum Oberleitungs-Lkw.

90 Prozent CO2-Einsparung möglich

Das passiert bereits bei einem Feldversuch auf sechs Kilometern der Autobahn A5 zwischen Frankfurt und Darmstadt. Lkw können sich während der Fahrt mit einem Stromabnehmer Strom direkt aus einer Oberleitung über der Fahrspur holen. „So muss der Strom nicht zwischengespeichert werden“, erklärt Jöhrens. In etwa 10 Jahren, wenn ein Oberleitungsnetz auf Autobahnen aufgebaut sein könnte, reduzieren sich seinen Forschungen zufolge die CO₂-Emissionen so um fast die Hälfte gegenüber einem Diesel-Lkw. Wenn der Strom aus erneuerbaren Energien stamme, können sogar 90 Prozent der Klimagasemissionen eingespart werden.

Es kommt laut Jöhrens jedoch immer auf das Anwendungsgebiet der Lkw an. Bei Fahrzeugen, die etwa Pakete und Lebensmittel auf der letzten Meile ausliefern, dürften vor allem Batterieantriebe sinnvoll sein. Insgesamt zeigt sich der Wissenschaftler zuversichtlich. „Lkw verbringen in Deutschland fünf bis sieben Jahre auf der Straße, die Flotte erneuert sich also relativ schnell. Wenn wir jetzt den Startschuss geben, wird in 10 Jahren ein sehr großer Teil des Bestands von der neuen Technologie durchdrungen sein.“

Das ifeu- Institut für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg zählt zu den bedeutenden ökologisch ausgerichteten Forschungsinstituten in Deutschland. Wissenschaftler*innen forschen dort seit über vierzig Jahren zu Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen. In „ifeu update“ berichten sie interessierten Verbraucher*innen einmal monatlich über ihre Forschung, geben Einblicke in ihre Studien und ordnen aktuelle Ereignisse aus der Klimapolitik ein.

Der Podcast kann über die Webseite des ifeu, Spotify, Google und Apple Podcasts sowie auf Youtube angehört und abonniert werden.

In den nächsten Folgen von „ifeu update“ soll es um die Klimaziele 2030 gehen, um das neue Verbot von Einwegplastik und die Ökobilanzen von Lebensmitteln.