Im ifeu-Podcast: Wie ökologisch sind Getränkeverpackungen?

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Heidelberg, 10.5.21. In den letzten zehn Jahren haben die Müllmengen an Kunststoffverpackungen zugenommen. Viele Saft- oder Milchpackungen sind ökobilanziell gesehen aber keine schlechten Verpackungen. Benedikt Kauertz vom ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg stellt Ökobilanzen von Verpackungen auf. Im Podcast „ifeu update“ erzählt er, wie Getränkeverpackungen dabei abschneiden und worauf wir beim Kauf von Milch, Saft, Bier und Co. im Supermarkt achten sollten.

Für Ökobilanzen von Getränkeverpackungen kommt es auf viele verschiedene Faktoren auf dem Weg von der Rohstoffproduktion bis zur Verwertung an. Sie miteinander zu vergleichen ist deshalb nicht so leicht, sagt Benedikt Kauertz. Er ist seit 15 Jahren am ifeu und leitet dort den Fachbereich Industrie und Produkte. Einer seiner Themenschwerpunkte sind die Ökobilanzen von Verpackungen. Stella Schalamon und Marcus Franken, beide Umweltredakteur*innen bei der Kommunikationsagentur Ahnen&Enkel, haben ihn in der vierten Folge von „ifeu update“ gesprochen.

Was die Bilanz der Treibhausgase angeht, hat dem Experten zufolge etwa der Milchschlauch aus Polyethylen eine relativ gute ökobilanzielle Performance, weil er materialreduziert ist. Aber auch der Getränkeverbundkarton – gemeinhin unter dem Herstellernamen Tetrapak bekannt – und die PET-Mehrwegflasche schneiden gut ab, weil sie sehr leicht sind und immer wieder verwertet werden. Die
Einwegflasche aus PET oder Glas hingegen ist aus ökobilanzieller Sicht keine gute Verpackung. PET-Einwegflaschen werden oft verbrannt und die Herstellung der Glas-Einwegflaschen braucht viel Energie, die heute noch meist aus der Verbrennung von fossilen Brennstoffen stammt. „Glas ist ein super Verpackungsmaterial für Mehrweg-, aber nicht für Einwegprodukte“, sagt Kauertz.

Mit dem Anfang der getrennten Sammlung von Abfällen im Jahr 1991 ist das Müllaufkommen pro Kopf um 25 Prozent gestiegen. Seit 2010 haben vor allem die Mengen an Kunststoffverpackungen und Papier zugenommen. Ein Grund ist laut Kauertz, dass Verbraucher*innen sich darauf verlassen, dass das meiste davon recycelt wird. Doch es liege auch daran, dass wir weniger Zeit haben, sagt er. „Wie wir verpacken, ist durchaus auch ein Spiegel von dem, wie wir leben.“

Zu welcher Getränkeverpackung eine Person greift, ist auch eine Frage der Gewohnheit und der Einstellung. Der Getränkeverbundkarton war laut Kauertz „das Feindbild der frühen Ökobewegung“. Schließlich habe er die frühen Mehrwegflaschen wie die Milchflaschen verdrängt. Doch die Flaschen sind schwer und müssen gut gespült werden. Der Kunststoff des Getränkeverbundkartons hingegen ist leicht und kann flexibel genutzt werden. Deshalb schneidet der Karton ökobilanziell besser ab, von 1995 bis heute.

Den Ressourcenverbrauch und die Emissionen, die von der Rohstoffproduktion bis zur Verwertung anfallen, kalkulieren Kauertz und seine Kolleg*innen mit aufwendigen Ökobilanzen. Den Inhalt klammern die Forscher*innen dabei aus, weil sie sich auf die Verpackungen spezialisieren. Doch Kauertz weiß, dass sie bei der Gesamtklimabilanz eines Produkts oft nicht ausschlaggebend sind: der
regionale Apfelsaft schlägt den Orangensaft unabhängig von der Verpackung, in der er verkauft wird.

Das ifeu- Institut für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg zählt zu den bedeutenden ökologisch ausgerichteten Forschungsinstituten in Deutschland. Wissenschaftler*innen forschen dort seit über vierzig Jahren zu Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen. In „ifeu update“ berichten sie interessierten Verbraucher*innen etwa einmal monatlich über ihre Forschung, geben Einblicke in ihre Studien und ordnen aktuelle Ereignisse aus der Klimapolitik ein.

Der Podcast kann über die Webseite des ifeus, Spotify, Google und Apple Podcasts
sowie auf Youtube angehört und abonniert werden.

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ifeu Heidelberg
Fabienne Wolf
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