Regulierungschaos zwischen Bund und Ländern

Die zersplitterten regulatorischen Zuständigkeiten zwischen Bund und Ländern bereiten der Drohnen-Branche in Deutschland zunehmend Bauchschmerzen. Der deutsche Gesetzesentwurf könnte die gewonnenen Freiheiten der EU-Drohnen-Verordnung kippen, warnen Experten

„Die Deutschen neigen gerne zur Überregulierung. Davor haben wir ein bisschen Respekt“, sagt Jan-Eric Putze, Geschäftsführer von Droniq, ein deutscher Plattform-Entwickler für Drohnen-UTM. Auch Richard Boden, Head of Certification beim Darmstädter Drohnen-Unternehmen Wingcopter fürchtet, dass die Drohnen-Branche durch die unterschiedlichen Zuständigkeiten der Länder ausgebremst wird. „Der deutsche Gesetzesentwurf bereitet uns Bauchschmerzen, insbesondere weil der Referentenentwurf die Kompetenzen nicht trennscharf regelt. Das erschwert jedes Geschäftsmodell erheblich und verhindert eine wirtschaftliche Planung“, so Boden.

Der Föderalismus machts kompliziert

Die Kategorien open (Hobby) und specific der neuen EU-Verordnung fallen in die Zuständigkeit der Landesluftfahrbehörden, die certified-Kategorie übernimmt das Luftfahrbundesamt.

„Schwierig wird es jedoch, wenn es um Zuständigkeiten über Ländergrenzen hinweg geht“, erklärt Putze. Zunächst muss die Drohne aus der specific-Klasse bei der Luftfahrtbehörde angemeldet werden, in der auch das Unternehmen sitzt. Diese Auflagen bleiben bestehen, auch wenn die Drohne in einem anderen Bundesland eingesetzt wird. Gleichzeitig gelten aber auch die Auflagen des jeweiligen Bundeslandes, in dem der Einsatz stattfindet. Die unterschiedlichen Auflagen der jeweiligen Landesluftfahrbehörden machen die Einsätze mitunter sehr kompliziert und ineffizient.

„Eine Freigabe aus Bayern zum Überfliegen von Bahnlinien heißt noch lange nicht, dass ich das auch im Nachbarland Baden-Württemberg darf“, kritisiert Fairfleet-Mitgründer Dario Manns, dessen Startup seit 2016 gewerbliche und industrielle Drohnen-Missionen vermittelt. „Vor der EU-Verordnung war der Drohnen-Betrieb gut eingespielt. Die Vereinheitlichung in Europa versprach weitere Verbesserungen. Der neue Entwurf für einen deutschen Alleingang behindert den Fortschritt.“

Das Kabinett hat den Gesetzentwurf Anfang Februar verabschiedet. Das Bundesverkehrsministerium will den Einsatz von Drohnen in Deutschland leichter, schneller und sicherer machen. Scharfe Kritik kommt auch vom Verband für Unbemannte Luftfahrt (UAV DACH), der auf die nach wie vor viel zu hohen Hürden für den kommerziellen Drohnenbetrieb verweist. Das Gesetz soll noch vor der Bundestagswahl im September verabschiedet werden.

Iran: Französischer Drohnen-Tourist wegen Spionage vor Gericht

Benjamin Briere soll unerlaubt Fotos in einem Wüstengebiet aufgenommen und das Kopftuch im Internet thematisiert haben. Jetzt muss sich der 35-jährige mit dem Vorwurf der „Spionage und Propaganda gegen das System“ vor Gericht verantworten

Seit zehn Monaten befindet sich Briere in iranischer Untersuchungshaft. Er wurde festgenommen, nachdem er eine Drohne nahe der iranisch-turkmenischen Grenze fliegen gelassen hatte. Laut seinem Anwalt Saeid Dehghan droht ihm im Falle einer Verurteilung eine lange Haftstrafe von bis zu 10 Jahren.

Laut Anklageschrift seien die Spionagevorwürfe auf das Fotografieren in verbotenen Gebieten zurückzuführen. Die zweite Anklage wegen „Propaganda gegen das System“, so sein Anwalt auf Twitter, sei die Folge eines Social-Media-Beitrags, in dem er das Kopftuch thematisiert habe.

Der Franzose werde in der nordostiranischen Stadt Mesched festgehalten. Die Staatsanwaltschaft habe den Vorwurf der Propaganda kürzlich in einer Anhörung vor Gericht präsentiert.

Das große Akzeptanzproblem: SkyLimits veröffentlicht Handlungsempfehlungen 

Die Politik und Unternehmen preschen voran, wenn es um den Einsatz von Flugtaxis und Lieferdrohnen geht. Doch das Kooperationsprojekt Sky Limits zeigt, dass ein Großteil der Bevölkerung dem Unterfangen eher skeptisch gegenübersteht

Besonders die Politik soll verstärkt in der Pflicht genommen werden, mehr Akzeptanz zu schaffen.
Sky Limits fordert die Abgeordneten dazu auf ein Leitbild zu entwickeln, um zu zeigen, wie Lieferdrohnen und Flugtaxis sinnvoll und nachhaltig einsetzbar sind. Besonders die Möglichkeiten von medizinischen Lieferungen finden bei den Bürgerinnen und Bürgern viel Zustimmung.

Neben Bürgerräten,die den Prozess der Integration begleiten könnten sollen die Kommunen direkt über die Nutzung des Luftraums mitentscheiden. Außerdem müssen die Vorhaben besonders von der Politik immer wieder plausibel erklärt werden.

Die Umfrageergebnisse von Sky Limits im Juni 2020 zeigen, dass nur 25 Prozent der Befragten dem Einsatz von Lieferdrohen zustimmen. Bei Passagierdrohnen lag die Zahl bei nur 21 Prozent.
68 und 72 Prozent der Befragten lehnen den Einsatz sogar ganz ab. Die Menschen sehen keinen persönlichen Mehrwert und befürchten, zumindest in Großstädten, Einbußen in der Lebensqualität. Stress, Lärm, eine verschlechterte Sicht auf den Himmel und Unfälle waren die am häufigsten genannten Faktoren.

Einige Abgeordnete stehen den Vorschlägen eher verhalten gegenüber. Der CDU-Politiker Klaus-Peter Willsch ist gegen Bürgerräte, der SPD-Politiker Arno Klare hält Lieferdrohnen in Städten für eine Vision der Vergangenheit und verweist auf den aktuellen Gesetzentwurf, nach dem „bebaute Gebiete überhaupt nicht überflogen werden“ dürfen.


Volocopter sammelt 200 Millionen Euro

Das Flugtaxi Unternehmen aus Bruchsal hat weitere Deals mit internationalen Investoren abgeschlossen. Die Integration von Flugtaxis soll durch die Investitionen beschleunigt werden – auch die europäische Flugsicherheitsbehörde EASA gibt sich optimistisch

Bereits 2019 hat Volocopter in Singapur seine Passagierdrohne erfolgreich getestet. Jetzt hat das Startup in seiner Series D insgesamt 200 Millionen Euro gesammelt. Ein Großteil des Geldes soll für eine beschleunigte Zulassung des Flugtaxis Volocity investiert werden. Neben den bestehenden Investoren wie Intel, Daimler, Geely und der Logistiktochter der Deutschen Bahn, konnte Volocopter neue Unternehmen für sich gewinnen.

„Durch unsere Partnerschaften können wir auf die notwendige Expertise zurückgreifen, um in den nächsten Jahren die ersten Strecken zu eröffnen“, sagt Firmenchef Florian Reuter. Innerhalb der nächsten zwei Jahren möchte Volocopter die erste kommerzielle Flugstrecke bedienen.

Volocopter´s Finanzchef Rene Griemens, betont die internationale und strategisch ausgewogene Menge der Investoren. Neu an Bord sind Tokyo Century, Continental AG, Avala Capital, Atlantia, NTT und der Vermögensberater Blackrock.  

Auch die EASA ist optimistisch und hält die Implementierung von kommerziell betriebenen Drohnen und Flugtaxis im europäischen Luftraum für realistisch.

Gefängnissicherung: Berlin setzt auf IT-Abwehr

Bislang gibt es in Berlin keine registrierten Vorfälle in denen Drogen oder Waffen per Drohne in Gefängnisse geschmuggelt wurden. Trotzdem setzt die Berliner Justizverwaltung in der Gefängnissicherung jetzt auf Geo-Fencing

Seit 2018 wurde keine Drohne über einer Berliner JVA gesichtet. Auch frühere Vorfälle in denen Drohnen über oder in der Nähe von Berliner Gefängnissen gesichtet wurden, konnten in keinem Fall mit einer Schmuggelaktion in Verbindung gebracht werden.

Trotzdem will die Berliner Justizverwaltung die Gefängnisse per Geo-Fencing absichern. In Bayern gibt es bereits Maßnahmen, um die JVAs vor Drohnen zu schützen. Dort werden Drohnen durch Netze vom Himmel geholt. Beim Geo-Fencing wird der Luftraum rund um die Gefängnisse durch eine Art virtuellen Zaun geschützt. Durch Programmierungen der Software können die Drohnen diese Zäune nicht durchdringen. 

Der Rolls-Royce der Passagierdrohnen

Bereits dieses Jahr soll das Flugtaxi zum ersten Mal abheben. Rolls-Rocye plant mit der kommerziellen Zertifizierung bis 2024

Das Flugtaxi wird bis zu vier Passagiere über eine Strecke von 120 Meilen (ca. 193 km) mit einer Höchstgeschwindigkeit von rund 320 km/h transportieren. Das Projekt ist eine Kollaboration mit Vertical Aerospace´s Urban Air Mobility solution. Rund 100 Rolls-Royce Elektrotechniker werden mit Vertical Aerospace aus Großbritannien zusammenarbeiten und das gesamte elektrische Antriebssystem entwerfen.

„Wir freuen uns sehr, mit Vertical Aerospace bei der Elektrotechnik zusammenzuarbeiten, die ihre wegweisenden eVTOL-Flugzeuge (senkrecht startende E-Flugzeuge) antreiben wird. Diese aufregende Gelegenheit zeigt unsere Ambitionen, ein führender Anbieter von nachhaltigen Stromversorgungssystemen für den Markt für städtische Luftmobilität zu sein, der das Potenzial hat, die Art und Weise zu verändern, in der sich Menschen und Fracht von Stadt zu Stadt zu bewegen“, sagt Rob Watson, Direktor bei Rolls-Royce Electrical.

Singapur: OneSky arbeitet an landesweiten UTM-Dienste

Am 10. März wurde der erste funktionierende UTM-Prototyp in Singapur vorgeführt. Das US-amerikanische Unternehmen OneSky und das Technologieunternehmen Nova System arbeiten daran Drohnen in Singapurs Stadtbild zu integrieren

Die Vorführung zeigte anhand einer Mischung aus Live-Flügen und Simulationen die wichtigsten Entwicklungen im Bereich der UTM-Technologien der letzten zwei Jahre. Im Fokus lag die Handhabung des Masseneinsatzes von Drohnen, die außerhalb der Sichtlinie des Piloten fliegen (BVLOS).

“Wir haben zunächst die Infrastruktur in Singapur untersucht, um die speziellen Herausforderungen des Luftraums zu verstehen, erklärt Daniel Honaker, Leiter der internationalen Implementierung bei OneSky. „Dazu gehörte die genaue Untersuchung von Themen wie der LTE-Signalstärke und der GNSS-Leistung, ein System zur Positionsbestimmung und Navigation, in städtischen Canyons.“

UAS Traffic Management Systems (UTM), dienen der sicheren Integrierung von Drohnen in den Luftraum, ohne dass der Pilot seine Drohne stets im Blick haben muss.

3 Millionen für die Rehkitzrettung

Das Bundeslandwirtschaftsministerium fördert die Rehkitzrettung mit bis zu 4.000 Euro pro Drohne. Jäger und andere eingetragene Vereine können den Antrag auf Förderung stellen

Je Antragssteller werden maximal zwei Drohnen gefördert.  Das gesamte Verfahren erfolgt über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Antragsberechtigte sind Jägervereinigungen auf Kreisebene und andere eingetragene Vereine auf regionaler oder lokaler Ebene, sofern die Rettung von Wildtieren – vorrangig von Rehkitzen – in deren Satzung festgeschrieben ist.

Wird der Antrag angenommen, werden bis zu 60 Prozent und maximal 4.000 Euro pro Drohne erstattet.

Seit einigen Jahren werden immer häufiger Drohnen eingesetzt, um Rehkitze mithilfe von Wärmebildkameras zu retten und haben sich als die effektivste Methode bewährt. Doch die hohen Anschaffungskosten von Drohnen haben sich bei der Rettung immer wieder als Hindernis erwiesen, zumal es sich bei den Rettungen meistens um ehrenamtliche Einsätze handelt.

Bei Lärm verharren die Tiere meist reglos und für den Landwirt unsichtbar in den Feldern. Schätzungen zu Folge fallen so rund 100.000 Kitze der jährlichen Mahd zum Opfer.

Aus diesem Grund wurde nun die Förderung kurzfristig auf den Weg gebracht. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Susanne Mittag hatte sich im vergangenen Jahr maßgeblich dafür eingesetzt, dass für die Rettung ein Posten im Bundeshaushalt 2021 beschlossen wurde. 

Right Up Our Alley: Drohnen-Video knackt die Millionengrenze

Eine Drohne fliegt durch ein Bowlingcenter in Minneapolis und beeindruckt sogar Hollywoods Starregisseure

Als „heilige Mutter der Drohnen-Aufnahmen“ beschreibt ein YouTube-Nutzer das knapp 90 Sekunden lange Video, das auf YouTube bereits rund 1,5 Millionen aufrufe erreicht hat. „Right Up Our Alley“ ist eine Hobbydrohnen-Aufnahme im Bryant Lake Bowl & Theater und begeistert besonders durch die millimetergenauen Flugmanöver des 25-jährigen Drohnenpiloten Jay Christensen.

Das Video der Produktionsfirma Rally Studios ist Teil eines Projektes über Unternehmen in Minnesota, deren Existenz von der Corona-Pandemie bedroht ist. Auch Hollywood-Größen wie der Regisseur James Gunn (Guardians of the Galaxy). „Das ist eine der erstaunlichsten Sachen, die ich je gesehen habe“, twitterte Toy Story 3 Regisseur Lee Unkrich, „Kinnlade auf dem Boden.“

Schweiz: Drohnen sammeln Wetterdaten

Das Schweizer Unternehmen Meteomatics sammelt mit Drohnen meteorologische Daten. In der Zukunft sollen sie die bislang eingesetzten Ballons und Satelliten ersetzen

Aktuelle Methoden zur Wettervorhersage sind recht teuer, liefern nur Daten zu einem bestimmten Gebiet, da sie nicht portierbar sind und können bei extremen Wetterbedingungen keine genauen Daten erstellen. Außerdem benötigen Meteorologen verschiedene Geräte wie Ballons und Satelliten, was die Kosten erhöht.

Das Schweizer Unternehmen Meteomatics untersucht jetzt den Einsatz von Drohnen, um Wetterdaten zu sammeln. Sie hoffen, dass Daten auf diesem Weg schneller und auf Dauer auch günstiger zu genaueren Wettervorhersagen führen.

Meteomatics hat in Zusammenarbeit mit Thales zwei Drohnen hergestellt: die Meteodrone MM-641 und MM-670. Beide Drohnen sind mit einem Beobachtungssystem ausgestattet das die Temperatur, die Luftfeuchtigkeit, den Luftdruck und die Windstärke messen kann. Auch Hagel oder extreme Wetterbedingungen kann das System vorhersagen.

Gleichzeitig wird das bodengestützte Meteobase-System auch als Kommunikationsverbindung zwischen den Drohnen und dem Kontrollzentrum genutzt.

Erste Tests wurden bereits erfolgreich demonstriert. Als Nächstes sollen die Drohnen 8.000 Meter über dem Meeresspiegel fliegen, um sie noch stärkeren Winden auszusetzen.

Webinar Drohnenbetrieb 2021 – aktuelle rechtliche Rahmenbedingungen – „EU, National, Länderebene“

26. März 2021, 10:00-12:30 Uhr
Online Meeting (ZOOM)
Die Teilnahme ist kostenfrei

Programm
  • 10:00 Uhr – Begrüßung und Vorstellung
  • 10:10 Uhr – „Stand der Technik und Überblick EU Drohnenverordnung“, Ronald Liebsch, DJI
  • 11:00 Uhr – „Rechtliche Rahmenbedingungen der Drohnennutzung“, Prof. Dr. Martin Maslaton, BVZD
  • 12:30 Uhr – Ende der Veranstaltung

Zur Anmeldung geht es hier.

Mit welcher Drohne darf man wo unter welchen Bedingungen fliegen? Was ist vor dem Start zu beachten? Welche Kenntnisnachweise muss ein Pilot einer Drohne vorzeigen können?
Mit Beginn des Jahres 2021 trat die neue europäische Drohnen-Verordnung (Durchführungsverordnung (EU) 2019/947) in Kraft und gilt ab sofort unmittelbar in allen Mitgliedsstaaten.

Das Web-Seminar des BVZD gibt einen Überblick über die neuesten rechtlichen Entwicklungen

Ronald Liebsch, Technical Standards Manager Europa bei DJI und Rechtsanwalt Prof. Dr. Martin Maslaton, werden über das umfängliche Regulatorium der europäischen Drohnen-Verordnung mit seinen 3 Betriebskategorien (offen, speziell und  zulassungspflichtig) sprechen.

Ziel des Seminars ist es jeden Nutzer von Drohnen, gleich auf welcher Ebene, mit den neuen Regelungen und Bedingungen vertraut zu machen, um rechtssicher die enormen wirtschaftlichen Potenziale der Drohnenwirtschaft nutzen zu können.
Weitere Infos zur Veranstaltung gibt es auf der Website des BVZD