Wölfel Newsletter: Windenergie & Schall [1/2020]

Die Corona-Krise macht auch der Windbranche zu schaffen: Planer berichten von Schwierigkeiten, neue Windenergieanlagen im Zeitplan fertig zu stellen. Grund sind unterbrochene Lieferketten aus den europäischen Nachbarländern. Die Bundesnetzagentur hat schnell und flexibel reagiert und besteht nicht auf der Einhaltung etwaiger Fristen aus dem EEG.

Keine Anpassung der Zeitpläne brauchen wir bei den Abnahmemessungen für die Schallimmissionen. Im Gegenteil: „Gerade in den letzten Wochen hatten wir günstigen Ostwind und konnten viele Projekte abarbeiten“, berichtet Janosch Blaul, Leiter Akustik bei Wölfel. Da die Außendienstmitarbeiter von Wölfel in kleinen Teams unterwegs sind, ist auch weiterhin keine Beeinträchtigung bei der Projektabwicklung zu erwarten.

Wölfel schaut auf ein erfolgreiches Jahr 2019 zurück. „Wir haben im vergangenen Jahr über 30 Anlagen nach DIN EN 61400-11 vermessen“, sagt Blaul. 2020 schließt sich mit einer guten Entwicklung an: „Im ersten Quartal dieses Jahres waren es schon 20 Messungen“, so Blaul weiter. Und auch für die Zukunft hat Wölfel einige Ideen im Köcher: Wie die Digitalisierung das Schallmanagement weiter verbessern könnte, lesen Sie in diesem Newsletter.

Digitalisierung: Großes Potential für das Schallmanagement

Am 10. März hat Wölfel zum Expertentreffen „Digitalisierung und Schallimmissionsschutz“ eingeladen. Mit dabei waren unter anderem das Umweltbundesamt, der TÜV Hessen und die Landesämter für Umwelt aus Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen. Auch Unternehmen wie Müller-BBM und Lärmkontor haben mit ihren Experten teilgenommen.

„Die Digitalisierung kann uns helfen, den Schallschutz weiter zu verbessern“, erklärt Janosch Blaul, Leiter Akustik bei Wölfel und Initiator des Treffens.
„Die große Resonanz bei den Teilnehmern hat uns gezeigt, dass das Thema aktuell auch in den anderen Häusern eine hohe Priorität hat.“

Wichtige digitale Anwendungen für das Schallmanagement sind nach Ansicht der Experten:

  • Geräuscherkennung: Künstliche Intelligenz (KI) kann einzelne Geräuschquellen identifizieren und von den Hintergrundgeräuschen isolieren.
    „Wir kennen diese Technologie etwa von der Spracherkennung von Amazon“, erklärt Blaul. „Es gibt bisher allerdings noch keine Algorithmen, die zum Beispiel die Geräusche einer Windenergieanlage von denen eines fahrenden LKWs unterscheiden können“, so Blaul weiter. Geräuscherkennung mit KI würde dann Langzeit-Monitorings möglich machen, etwa von Straßen, Flughäfen aber auch von Windenergieanlagen.
  • Dynamic-Noise Mapping: Bei dem Verfahren werden an der Geräuschquelle und an einzelnen Immissionsorten die tatsächlichen Lärmpegel gemessen. Auf dieser Grundlage errechnet das System dann die Ausbreitung des Schalls in einem bestimmten Gebiet. So können Lärmkarten erstellt werden, die in Echtzeit die Schallimmissionen an einem beliebigen Punkt der Karte darstellen.
  • Auralisation: Was die Visualisierung für das Auge ist, ist die Auralisation für das Ohr: Die konkrete Simulation der Sinneseindrücke. „In geschlossenen Räumen können wir heute schon sehr gut berechnen, wie sich ein bestimmter Klang an unterschiedlichen Orten im Raum anhört – und diese Geräusche dann auch simulieren“, erklärt Blaul. Auf offenem Feld ist diese Technik noch nicht so weit. „Perspektivisch könnten wir damit aber den Anwohnern einer geplanten Straße oder Windparks die Geräusche am Immissionsort vorführen“, erklärt Blaul.Nach dem Expertentreffen zieht Blaul ein positives Fazit: „Die Gespräche waren sehr kollegial. Es hat sich gezeigt, dass wir miteinander und nicht gegeneinander arbeiten.“ Vor allem für die Geräuscherkennung mit KI sahen die Teilnehmer großen Anwendungsbedarf. „Ich bin optimistisch, dass wir im Verlauf 2021 hier erste Produkte entwickeln können“, so Blaul. Die Expertenrunde soll nun in jährlichem Rhythmus wiederholt werden.

Hintergrund: Wölfel gehört zu den führenden Anbietern für Berechnungen zur Schallausbreitung. Mit dem Messsystem ROBIN® werden Messdaten schon heute digital und in Echtzeit ausgewertet.

Keine Gesundheitsgefahr durch Infraschall

Bei Konflikten um die Windenergie geht es immer wieder auch um Sorgen der Anwohner vor Infraschall. Denn: Gerade, weil man ihn nicht hört, bietet er sich als Projektionsfläche für diffuse Ängste an. Bürgerinitiativen nutzen das aus und verbreiten falsche Informationen über die Gesundheitsrisiken von Infraschall.

Das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen hat in einem Urteil vom 19.12.2019 dazu nun klar Stellung bezogen: Nach Stand der „wissenschaftlichen Erkenntnis“, so das Gericht, führt der Infraschall von Windenergieanlagen „grundsätzlich nicht zu Gesundheitsgefahren.“

Ein weiterer Streitpunkt in dem Verfahren waren die WHO-Empfehlungen für nächtliche Schallimmissionen, die einen Richtwert von 40 dB(A) vorsehen (vgl.: Night Noise Guidelines for Europe, NNGL).

Auch hier stellt das Gericht richtig: „Die Empfehlungen der WHO stellen auf den „Average night noise level over a year“ ab, der durch Mittelung aller Nachtwerte eines Jahres anhand des A-bewerteten äquivalenten Dauerschallpegels ermittelt wird. Demgegenüber stellt die TA Lärm in Nr. 6.4 auf die lauteste Nachtstunde ab.“

Quelle: Oberverwaltungsgericht NRW, 8 B 858/19

Windenergie: Zu laut für den Autobahnparkplatz

Das Windeignungsgebiet 24 in Brandenburg liegt in einem ökologisch minderwertigen Kiefernforst, entlang einer viel befahrenen Autobahn und weit entfernt von der nächsten Wohnsiedlung.
Bessere Bedingungen für den Bau von Windenergieanlagen lassen sich kaum ausdenken.

Windeignungsgebiet: Silke Reents, Ahnen&Enkel
Windeignungsgebiet: Silke Reents, Ahnen&Enkel

Für den Potsdamer Projektierer NOTUS wurde allerdings gerade die Nähe zur Autobahn zu einem Problem: Die Geräusche der Windenergieanlagen könnten „die Erholungsfunktion der Rastanlagen“ an der Autobahn stören. Weil Lkw-Fahrer dadurch in ihren Ruhepausen gestört würden, sieht der zuständige Landesbetrieb Straßenwesen „die Verkehrssicherheit auf der Autobahn“ in Gefahr. Das ZDF berichtete in der Reportage „Energiewende in der Krise – Windkraftausbau am Ende?“ über den kuriosen Fall.

„In der Tat sind Verkehrsgeräusche und Anlagengeräusche getrennt voneinander zu beurteilen“, erklärt dazu Daniel Höhne-Mönch, Leiter Bauphysik, Schallimmissionsschutz bei Wölfel. „Allerdings ist die Frage, welchen Schutzanspruch ein Lkw-Parkplatz an der Autobahn tatsächlich besitzt.“ Bei einer Raststätte handelt es sich um eine Verkehrsanlage, für die es in der Regel keine Gebietseinstufung gemäß Baunutzungsverordnung und somit formal auch keinen Schutzanspruch gibt.

„Lkw-Stellplätze auf Autohöfen nahe der Autobahn werden regelmäßig innerhalb von Industrie- und Gewerbegebieten geplant und errichtet, für die nachts ein Immissionsrichtwert von 70 dB(A) bzw. 50 dB(A) zulässig ist“, so Höhne-Mönch weiter. Ein weiterer Hinweis auf einen vergleichsweise niedrigen Schutzanspruch lässt sich auch aus einem Schreiben des BMVBS aus dem Jahr 2008 zum Straßenbauplan ableiten, das den Schutz der Lkw-Fahrer vor Lärm (aus den Verkehrsgeräuschen der Autobahn) während der Ruhezeiten behandelt. Darin wird empfohlen, einen Nachtwert von 65 dB(A) einzuhalten.

Gute Aussichten also, dass die Einwände des Landesbetriebs gegen den Bau der Windenergieanlage keinen Bestand haben. Für NOTUS gab es zwischenzeitlich auch positive Nachrichten: Für sieben der in dem Gebiet geplanten Windenergieanlagen wurde der städtebauliche Vertrag mit der Nachbargemeinde unterzeichnet. Auch darüber berichtete das ZDF.

NOTUS bietet zu dem Windpark umfangreiche Informationen auf seiner Projektwebsite an: www.windpark-dachsberg.de.

UBA will neue Studie zu Infraschall veröffentlichen

Eigentlich war sie schon für Ende 2019 angekündigt: Das Umweltbundesamt arbeitet aktuell an der Fertigstellung der Studie „Lärmwirkungen von Infraschallimmissionen“. Damit legt das Haus erstmals nach 2016 eine Neubewertung der Gesundheitsrisiken durch Infraschall vor.

Der genaue Veröffentlichungstermin ist bis heute noch nicht bekannt. Ebenfalls in diesem Jahr will das Umweltbundesamt die Studie „Geräuscheinwirkungen bei der Nutzung von Windenergie an Land“ veröffentlichen. Zentrale Fragestellung ist dabei die Häufigkeit von amplitudenmodulierten Geräuschen bei Windenergieanlagen und wie diese beurteilt werden können.

Unter dem knappen Titel „WEA-Akzeptanz“ untersucht das Institut für Statik und Dynamik der Leibniz Universität Hannover die physikalische Schallentstehung, -abstrahlung und -ausbreitung von Windenergieanlagen und verknüpft sie mit der psychoakustischen Bewertung am Immissionsort. Industriepartner der Studie ist Senvion. Aktuelle Informationen dazu gibt es auf der Projekt-Website, die Veröffentlichung des Abschlussberichts ist für Oktober 2020 geplant.


Der Wölfel-Newsletter Windenergie & Schall erscheint vierteljährlich und bietet einen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen rund um das Thema.

Anmeldungen für den Newsletter bitte über https://www.woelfel.de/newsletter-anmeldung


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Bildquellen: Bild Digitalisierung: iStock, Bild Windeignungsgebiet: Silke Reents, Ahnen&Enkel